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Kleine Zeitung 29. Mai 2011 - Text

So stirbt die historische Ziegelfabrik Bei Althofen ist einer der letzten Ringziegelöfen Europas verloren. Dach nach 110 Jahren abgerissen. Sechs Generationen Wandelnig lebten mit der Ziegelei. Zu ihren besten Zeiten vor und nach dem Zweiten Weltkrieg warteten Rossfuhrwerke in kilometerlangen Schlangen auf Nachschub, der so begehrt war, „weil er beim Kippen nicht zerbrach“, wie Max Wandelnig (55) weiß. Er selbst hat als Kind mit seiner Schwester „trotz großem Verbot meines Vaters“ in der bewässerten Lehmgrube und der Fabrik gespielt. „Heimlich ließen uns die Arbeiter im Ziegelringofen Erdäpfel braten und mit dem Löffelbagger fahren.“ Es sind wunderbare Erinnerungen. Herzstück der Ziegelei in Eberdorf bei Althofen ist der Ringofen: Geformt wie ein 30 Meter langes Oval beheizte er die angrenzenden Brennkammern, in denen Dach-, Mauer- und Hohlblockziegel gebrannt wurden. In guten Zeiten fanden 35 Männer Arbeit. Wandelnigs Urgroßmutter hatte den Bau 1901 nach Plänen ihres früh verstorbenen Mannes verwirklicht und als Mutter von fünf Halbwaisen Simon Süßenbacher geheiratet, dessen „SS“-Initialen in alten Ziegeln irritieren, aber harmlos sind. Neue Baustoffe wie Ytong oder Isospan, neue Produktionstechniken setzten der Ringofen-Ziegelei so zu, dass sie 1971 zugesperrt werden musste. Seither verfällt sie. Und ist nicht zu retten, wie auch Ingeborg Müllner akzeptieren musste. „Um diese historische Fabrik ist es ewig schade“, sagt sie, die sich um Kärntens (Ziegel-)Stadelfenster verdient macht. Aber Fenster leben. Die Fabrik ist tot. Der Dachstuhl ist schon weg. „Jemand will mit den 100 Jahre alten und von Menschenhand bearbeiteten Holzbrettern und Balken moderne Tourismusgebäude auf alt trimmen“, sagt Bauer, Grundbesitzer und Erdarbeiten-Unternehmer Wandelnig. Erschrocken sei er, als er sah, wie baufällig das Werk war. Tage vorher war er noch drinnen. Der Rest verfällt weiter. Nur der Kamin steht trotzig und tut, als wäre alles in Ordnung. Auch seine Zeit läuft ab! JOCHEN BENDELE