Zum Seitenanfang

Kleine Zeitung 13. Feber 2011 - Text

Die neue Lust auf alte Stadelfenster Trotz Mehrarbeit und Kosten wollte Biobauernpaar traditionelle Fenster im restaurierten Stadel. Ingeborg Müllner ist daran nicht ganz unschuldig.
JOCHEN br> Nüchterne Stadelwände sind ein idealer Rahmen für die Wandöffnungen, die aussehen können wie gotische Fenster, fragile Kirchenrosetten oder spielerische Steinmuster. Doch nicht jeder hat ein Auge dafür. Viele wissen, dass die „Löcher“ für frische Luft im Stadel zu sorgen haben. Das reicht. Aus, basta! Ingeborg Müllner gehört nicht zu ihnen. Die Klagenfurterin hätte am liebsten auf einem Bauernhof gelebt; weil das nicht ging, ist sie ständig auf dem Land unterwegs. „Ich habe Höfe, Stadel und Fenster fotografiert und mit den Bauern geredet.“ Ihr Interesse stieß jahrelang auf Unverständnis. Mit der Folge, dass ihr Hobby zur Leidenschaft wurde. Zu einer ansteckenden Leidenschaft. 37 „Patienten“ sind Mitglieder des von ihr mitgegründeten Vereins „Stadelfenster- und Ziegelkultur im Alpen-Adria-Raum“. Sie hat ihren Mann Dieter infiziert, der mit ihr auf Motivsuche geht und ein reich bebildertes Buch mit ihr geschrieben hat. Den inzwischen vergriffenen ersten Band hatte sie mit Norbert Rencher verfasst. Am schönsten für Ingeborg Müllner ist aber, dass sie Stadelbesitzer „angesteckt“ hat, ihre Gebäude mit solch schönen Fenstern zu versehen. Valentin Schnögl und Gattin Alexandra mit ihrem Biohof in Poggersdorf bei Klagenfurt sind so ein „Wiederbelebungs“-Paar. „Unser Stall war baufällig, und der Abriss wäre genau so teuer gewesen wie eine Restaurierung“, erklärt der 54-Jährige. „Wir hatten Frau Müllners Buch gesehen und beschlossen, dass wir das auch so schön machen wollten.“ Wochenlang diskutierten die beiden über das ideale Muster, tagelang legten sie die 107 Jahre alten Ziegel, die sie vom Altbau gerettet hatten, zu Puzzle-Halbkreisen. Als sie mit dem ersten Muster zufrieden waren, beschlossen sie: „Die Bögen sollen unterschiedlich sein.“ Der Einsatz, bei dem ganz Pubersdorf half und ihr Freund Erich Robatsch die Fenster mauerte, hat sich gelohnt. Wann immer sie auf ihre Fenster schauen, spüren sie Zufriedenheit und gute Laune. Vielleicht ist es ihnen selbst gar nicht bewusst, aber die Fenster drücken auch etwas anderes aus: Wenn jemand, der mit 900 Hühnern, Wald, Feldern, Brotbacken und Marktverkauf mehr als ausgelastet ist, eine Woche Zusatzarbeit in Kauf nimmt, nimmt er Ästhetik und Traditionsbewusstsein ernst. So jemand legt keinen Wert auf den schnellen Euro, sondern auf Qualität – auch für sich. In diesem Sinne kann es gar nicht genug schöne Stadelfenster in Kärnten geben . . .